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2008-172 [2017/06/20 21:14]
admin
2008-172 [2019/05/14 11:06] (aktuell)
admin
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 +* Erläuterungen zum Inventar siehe [[Legende]]
  
 +==== Objekt-Nr. 2008-172 ====
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 +===== Carl Kruspe, Leipzig / D =====
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 +===== Konische Flöte in C, Holz mit Metallkopf =====
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 +===== Reformflöte System Schwedler - Kruspe 1898 =====
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 +===== um 1910 =====
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 +[[https://​soundcloud.com/​user-480549779/​206-reger-romanze-schwedler-kruspe-reform-172|{{wiki:​hotteterre.jpg?​100|}}]] ​ **KLANGBEISPIEL** ​ Max Reger (1873-1916) Romanze (arr. Maximilian Schwedler)
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 +{{ :172-1.jpg |}}
 +{{:​172-2.jpg?​300|}}{{ :​172-7.jpg?​50|}}{{ :​172-6.jpg?​150|}}{{ :​172-5.jpg?​150|}}{{ :​172-3.jpg?​200|}}
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 +**Konstruktion:​** Grenadill. 3-teilig. H-Fuss. Kopfstück Neusilber, ohne Stimmzug; Mundplatte Hartgummi mit Schwedler-Mundloch. 20 Klappen aus Neusilber. Cis-Brille. D-Mechanik. H/C-Triller mit zusätzlicher Klappe für G3/A3- und Gis3/​A3-Triller. Zusatzhebel zu B ergibt mit zusätzlichem Tonloch E3/​D3-Triller (falls lH 1 geschlossen) und E3/​F3-Triller. Mehrere Klappen einzelstehend;​ restliche an Achsen. Achsen geschraubt; Säulchenlagerung. Rollen aus Korallen-farbenem Kunststoff. Noch keine F-Mechanik.
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 +**Masse:** Lt 71.5 / Ls 63.7 / Dm 18.8 – 12.5 / ML 11.5 x 9.9 / A1 = ca. 438 Hz
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 +**Signatur:​** ​ auf Korpus / REFORM-FLÖTE / (in gebogenem Banner) SCHWEDLER & KRUSPE / (Anker) / (in Oval) CARL KRUSPE / LEIPZIG / (Monogramm) KC / D.R.G.M. 105527 /. Auf Fussteil / (Anker) / (in Oval) CARL KRUSPE / LEIPZIG / (Monogramm) KC /.
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 +Etui original ​
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 +|**Zustand:​**| 2| ​  ​Gebrauchsspuren|
 +|**Spieleigenschaften:​**| 3| kräftiger,​ voller, etwas nasaler Klang. Intonation gut, doch E3 tief|
 +|**Seltenheit:​**| 2|
 +**Hersteller:​** Maximilian Schwedler (1853 – 1940), langjähriger Soloflötist des Gewandhausorchesters Leipzig und einflussreicher Pädagoge, hielt zeitlebens an der konischen Holzflöte fest, namentlich ​ wegen ihres spezifischen Klanges und der vertrauten Griffe. ​ Ab ca. 1884 entwickelte ​ er zusammen mit dem Leipziger Instrumentenbauer Friedrich Wilhelm Kruspe (1838 – 1911; Firma Carl Kruspe) ​ eine Reihe von Verbesserungen an der herkömmlichen Mehrklappen-Flöte. 1898 brachte er in Zusammenarbeit mit Carl Kruspe jun. das erste Modell seiner ‚Schwedler & Kruspe Reform-Flöte‘ heraus (siehe [[2008-172]]);​ weitere Modelle folgten 1901 und 1912. Nach dem Verkauf der Firma Kruspe an G. H. Hüller (1920) arbeitete Schwedler mit dem Leipziger Instrumentenbauer Moritz Max Mönnig zusammen (siehe [[2008-173]]). Reformflöten wurden auch von zahlreichen anderen Werkstätten hergestellt,​ allerdings ohne die geschützte Bezeichnung ‚Reform-Flöte’ und oft mit eigenen Modifikationen (siehe [[2006-171]]).
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 +Die Reformflöten zeichneten sich aus einerseits durch eine veränderte konische Bohrung, andererseits durch eine Mundlochplatte mit zwei seitlichen '​Höckern'​ (zur besseren Fokussierung des Luftstromes),​ durch die Verwendung von Achsen und Nadelfedern sowie durch einige zusätzliche Trillerklappen. Die ‚Reform-Flöte System Schwedler-Kruspe‘ von 1898 wies zudem ein Kopfstück aus Metall (meist mit ‚Schwedler - Mundplatte‘ aus Hartgummi), akustisch korrektere Tonlochpositionen mit entsprechend ​ modifizierter Mechanik und den sog. Fis-Mechanismus auf, der mit einem zusätzlichen Tonloch diesen ​ tendenziell ​ zu tiefen Ton  etwas  anhob. Spätere Reform-Modelle verfügten ​ zudem unter anderem über einen D-Mechanismus (ein zusätzliches Tonloch im Fussteil zur Erhöhung von  D und Dis) sowie über einen F-Mechanismus,​ der das Greifen von F und Fis mit demselben Finger (rH 1) erlaubte. Die Gesamtheit dieser Verbesserungen resultierte in einer Mechanik, deren Komplexität und Störanfälligkeit ​ jene des Böhm-Systems bei weitem übertraf ​ - die späten Modelle wiesen 20 oder mehr Klappen auf  - und die in Deutschland vormals weit verbreitete Reform-Flöte bis in die 1940er Jahre allmählich verschwinden liess.
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 +Das vorliegende Modell mit der D.R.G.M.-Nummer 105527 (Deutsches Reichsgebrauchsmuster) wurde 1898 unter der Bezeichnung ‚Reformflöte System Schwedler-Kruspe (Leipzig)‘ eingetragen. Schwedler entwickelte das Instrument - ebenso wie das Nachfolgemodell von 1912 -  in Zusammenarbeit mit Carl Kruspe jun. (1865 – 1929), dem ältesten Sohn und Nachfolger ​ des Firmengründers Friedrich Wilhelm Kruspe. - Das vorliegende Instrument stellt als Modell 1910 eine Weiterentwicklung des Modells von 1898 dar und weist  die meisten Charakteristika der ausgereiften Reformflöte auf, so u.a. Metallkopf mit Schwedler-Mundloch;​ akustisch korrektere Positionierung der Tonlöcher mit entsprechender Klappenmechanik;​ Cis-Brille (zusätzliches Tonloch/​Klappe zur Erhöhung des Cis); Fis-Mechanik (zusätzliches Tonloch/​Klappe zur Erhöhung des Fis); D-Mechanik (zusätzliches Tonloch/​Klappe am Fussteil zur Erhöhung des D). Die F-Mechanik (Fis und F sind beide mit rH 1 zu greifen) zeichnet allerdings erst das Nachfolgemodell 1912 aus – der ‚Rollhebel‘ für rH 1 bei vorliegendem Modell 1910 dient lediglich zum Schliessen eines kleinen Tonloches, um das Fis3 zu korrigieren. Das F wird beim Modell 1910 herkömmlich mit der Lang-F und Kurz-F - Klappe erzeugt.
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 +|Quelle: John Robert Bayley, Maximilian Schwedlers Flute and Flute Playing. Translation and Study of Late Nineteenth-Century German Performance Practice. Thesis, School of Music, Evanston/​Illinois,​ 1987|